1. Das Dritte Reich und der Zweite Weltkrieg

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 setzte auch im Kleingartenwesen die sogenannte „Gleichschaltung“ ein. Vorstände wurden verpflichtet, Listen über die Mitglieder und deren politische Zugehörigkeit zu führen; wichtige Vorstandsämter durften nur noch von NSDAP-Mitgliedern besetzt werden. Im November 1933 wurde die Mitgliedschaft an den Nachweis „arischer Abstammung“ gebunden. Auch im KGV „Gesundheitspflege“ spiegelte sich der Zeitgeist wider – unter anderem durch eine Hitlerbild- und Fahnenweihe am 7. Oktober 1933.

Trotz der politischen Umstände wuchs die Anlage: 1933 dehinte sich das Areal durch Hinzupachtung auf 81.957 m² mit 431 Parzellen aus. Ein Versuch des Stadtgruppenführers, den Nachbarverein „Mariannengärten“ 1933 an die „Gesundheitspflege“ anzuschließen, scheiterte am Widerstand der dortigen Mitgliederversammlung.

Der Zweite Weltkrieg brachte schwere Zerstörungen über die Gartenanlage:

  • Luftangriffe: Am 4. Dezember 1943 und 20. Januar 1944 trafen Bomben die Anlage schwer.

  • Schäden: 284 Gärten und Lauben wurden beschädigt. 66 Parzellen sowie das alte Vereinscasino wurden komplett zerstört. Das neue Vereinshaus (heute Gaststätte „Stottmeister“) erlitt schwere Beschädigungen.


2. Nachkriegszeit und vier Jahrzehnte DDR

Nach dem Krieg bauten die Mitglieder mit unermüdlichem Fleiß ihre zerstörten Gärten und das Vereinshaus wieder auf. Ab Anfang der 1950er-Jahre blühte das Vereinsleben mit Sommer- und Kinderfesten sowie Gartenbau-Ausstellungen wieder auf. Aus der „Kleingartengruppe“ bzw. „Kleingartensparte“ wurde später im VKSK (Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter) eine feste Struktur innerhalb der DDR.

Die Kleingärtner leisteten einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung: Ab 1958 wurden unter Parolen wie „Mehr Obst und Gemüse für unsere Bevölkerung“ staatliche Ertragsziele gesteckt (z. B. mindestens 100 kg Obst/Gemüse je 100 m² Nutzfläche).

Der große Umbruch in den 1970er-Jahren: Der Bau des Neubaugebiets „Schönefeld-Erweiterung“ (1973–1975) forderte erhebliche Flächenopfer von mehreren Leipziger Gartenvereinen:

  • Von ehemals 436 Gärten der „Gesundheitspflege“ mussten 388 Parzellen aufgegeben werden.

  • Auf dem ehemaligen Vereinsgelände entstanden die Wohnblöcke der Shukowstraße, des Losinskiweges und des Seipelweges sowie eine Kaufhalle und eine Sporthalle.

  • Lediglich 48 Restgärten und das obere Vereinszimmer im erhaltenen Vereinshaus blieben bestehen.

Neubeginn & Eigeninitiative in den 1980er-Jahren:

  • 1985: Durch Neuaufschluss entstanden östlich der Restgärten 10 neue Parzellen à 300 m².

  • 1985/1986: Errichtung eines neuen kleinen Vereinshauses (36 m²) in Eigenleistung.

  • 1990: Inbetriebnahme eines 20 Meter tiefen Brunnens zur gesicherten Wasserversorgung sowie Anschluss großer Teile der Anlage an das Stromnetz.


3. Neuanfang im vereinten Deutschland

Nach der Wiedervereinigung 1990 trug sich der Verein wieder in das Vereinsregister beim Amtsgericht Leipzig ein und trat dem neu gegründeten Stadtverband Leipzig der Kleingärtner e.V. bei. 1997 feierte die „Gesundheitspflege Schönefeld“ ihr 100-jähriges Vereinsjubiläum.

Neubau der Ausgleichsanlage (2000): Durch den geplanten Bau der „Nordtangente“ gelang es nach Verhandlungen mit der Stadt Leipzig, eine veränderte Trassenführung und eine Ausgleichsanlage zu vereinbaren:

  • Auf der Brachfläche zwischen Kohlweg und Shukowstraße errichtete die Stadt Leipzig für rund 1,3 Millionen DM eine neue Teil-Anlage mit 27 Kleingärten.

  • Zur Ausstattung gehören ein Mehrzweckgebäude mit Sanitäranlagen, ein Kinderspielplatz sowie ein Parkplatz.

  • Am 6. Oktober 2000 wurden die ersten Parzellen an die neuen Pächter übergeben.

Heute umfasst der KGV „Gesundheitspflege“ e.V. 85 Parzellen und verbindet eine über hundertjährige, wechselvolle Geschichte mit einem aktiven, grünen Vereinsleben im Leipziger Nordosten.